Ein Leitfaden zu Kunstmedien
Sie haben sich in ein Gemälde verliebt. Aber was heißt eigentlich „Öl auf Leinwand“, und wie unterscheidet es sich von „Gouache auf Papier“? Wenn Sie da je unsicher waren, sind Sie nicht allein — und es zählt mehr, als man denkt.
Was das Medium Ihnen sagt
Eine Medienangabe nennt zwei Dinge: das Material, mit dem der Künstler gemalt hat, und die Fläche, auf die er gemalt hat. Erst die Farbe, dann der Bildträger — „Öl auf Leinen“ ist also Ölfarbe auf einer Leinenleinwand.
Zusammen sagen sie Ihnen, wie das Werk in Ihrem Raum wirken wird, wie es gerahmt gehört und wie es zu pflegen ist. Sie sind zugleich die erste Entscheidung des Künstlers, lange vor dem ersten Strich.
Die Farbe
Öl
Pigment, gebunden in einem trocknenden Öl, meist Leinöl. Öl trocknet durch Oxidation und nicht durch Verdunsten — langsam, an der Oberfläche über Tage, darunter über Jahre. Diese Langsamkeit ist der ganze Sinn: Sie erlaubt es, nass in nass zu vertreiben und Lasuren aufzubauen, dünne durchscheinende Schichten, durch die das Licht hindurchgeht und wieder heraustritt. Deshalb hat ein Ölgemälde eine Tiefe, die keine Fotografie davon ganz wiedergibt.
Öl ist das angesehenste Medium der westlichen Kunstgeschichte und war über mehrere Jahrhunderte das vorherrschende. Vieles, was heute in Museen hängt, ist in Öl gemalt. Bei vernünftiger Pflege hält es Jahrhunderte.
Acryl
Pigment, suspendiert in einer Acrylpolymer-Emulsion — auf Wasserbasis, seit Mitte des 20. Jahrhunderts von Künstlern breit aufgegriffen. Sie trocknet durch Verdunsten, in Minuten statt in Wochen, was eine andere Arbeitsweise begünstigt: klare Kanten, rasch übereinandergelegte Schichten, Entscheidungen, die stehen bleiben.
Der getrocknete Film bleibt leicht elastisch, weshalb Acryl den feinen Rissen widersteht, die Öl mit den Jahren bekommen kann. Farben trocknen oft eine Spur tiefer auf, als sie nass wirken — womit der Künstler bereits gerechnet hat.
Aquarell
Fein geriebenes Pigment in einem wasserlöslichen Bindemittel, meist Gummiarabikum, auf Papier. Aquarell ist durchscheinend, das heißt: Das Papier übernimmt das Leuchten. Das Licht, das Sie sehen, kommt vom Weiß unter dem Pigment, nicht von weißer Farbe. Die Lichter sind die Stellen, die der Künstler bewusst nicht angerührt hat — sie müssen vom ersten Strich an geplant und bis zum letzten geschützt werden.
Korrigieren lässt sich wenig, und deshalb war ein Aquarell, das mühelos aussieht, es selten. Viele Aquarellpigmente sind lichtempfindlich; ein solches Werk gehört daher hinter UV-filterndes Glas und aus der direkten Sonne.
Gouache
Die deckende Verwandte des Aquarells — dasselbe wasserlösliche Bindemittel, aber mehr Pigment und ein zugesetzter weißer Füllstoff, sodass sie als flache, matte, voll gesättigte Schicht auf dem Papier liegt, statt den Untergrund durchscheinen zu lassen.
Genau auf dieser Flächigkeit bauten die persische Miniaturmalerei und die Mogul-Hofmalerei auf — Traditionen, die unmittelbar in einen großen Teil der heutigen Malerei des Nahen Ostens hineinreichen. Wenn Sie Werke mit kräftigem Muster, klarer Kontur und dichter Farbe anziehen, ist es oft die Gouache, auf die Sie reagieren. Sie ist ebenso lichtempfindlich wie das Aquarell.
Tusche
Aufgetragen mit Rohrfeder, Feder oder Pinsel. Tuschen auf Kohlenstoffbasis — Ruß, in einem Bindemittel suspendiert — gehören zu den beständigsten Farbmitteln überhaupt, was mit ein Grund dafür ist, dass die kalligrafischen Traditionen und die Handschriften so gut überdauert haben.
Tusche ist das Medium der arabischen Kalligrafie, wo die Qualität der Linie — ihr Gewicht, ihr Tempo, ihre Sicherheit — das Werk selbst ist und nicht bloß ein Mittel dazu.
Vergoldung
Gold, auf die Oberfläche aufgebracht, entweder als Blattgold oder als goldfarbene Farbe. Gold wird in der islamischen Buchmalerei und in der persischen Malerei seit Jahrhunderten verwendet, meist neben Tusche und Gouache.
Ein praktischer Punkt, den man kennen sollte: Vergoldung ist richtungsabhängig. Aus einem Winkel wirkt sie wie flacher Ocker, aus einem anderen leuchtet sie auf, sodass ein vergoldetes Werk sich im Lauf des Tages verändert. Hängen Sie es dort auf, wo das Tageslicht darüberstreicht statt frontal darauf zu fallen, und es sieht nie zweimal gleich aus.
Pastell
Überhaupt keine Flüssigkeit — reines Pigment mit gerade so viel Bindemittel, dass ein Stift zusammenhält, direkt auf Papier gezeichnet. Weil so wenig Bindemittel zwischen Ihnen und dem Pigment steht, ist die Pastellfarbe ungewöhnlich unmittelbar, weich und leuchtend.
Es ist zugleich das Empfindlichste, was Sie an eine Wand hängen können: Die Farbe liegt als lose Teilchen im Korn des Papiers. Berühren Sie die Oberfläche nie und lassen Sie das Blatt zügig unter Glas rahmen, mit Passepartout oder Abstandhalter, damit das Glas nie auf dem Werk aufliegt.
Kohle
Verkohltes Holz, zu allem fähig, vom grauen Hauch bis zum dichtesten Schwarz, das einem Zeichner zur Verfügung steht. Wie Pastell ist sie abriebempfindlich, wird meist mit Fixativ aus der Sprühdose gefestigt und am besten unter Glas gerahmt. Sie gilt oft als Medium der Vorstudie, doch viele Künstler führen darin fertige Werke aus — und eine Kohlezeichnung hat eine Unmittelbarkeit, die der Malerei abhandenkommen kann.
Mischtechnik
Mehr als ein Material in einem Werk — Öl und Kohle, Tusche und Gouache, Acryl und Vergoldung. Oft die einfallsreichsten Arbeiten einer Sammlung. Bei der Pflege richten Sie sich nach dem empfindlichsten Bestandteil: Alles, was Pastell oder Kohle enthält, wird wie ein Pastell behandelt.
Der Bildträger
Leinwand
Gewebter Stoff, meist Baumwolle, über einen Holzrahmen gespannt. Sie gibt unter dem Pinsel leicht nach und zeigt eine sichtbare Webstruktur, die Teil der fertigen Oberfläche bleibt, und sie ist leicht für ihre Größe. Leinwand reagiert auf den Raum um sie herum — der Stoff wird lockerer und wieder straffer, wenn die Luftfeuchte sich ändert, was normal und umkehrbar ist.
Leinen
Aus Flachs gewebt statt aus Baumwolle. Das Gewebe ist feiner und gleichmäßiger, die Faser fester und das Tuch formstabiler — es arbeitet weniger. Es ist seit Langem die traditionelle Wahl für Werke, die dauern sollen, und kostet entsprechend mehr.
Malplatte
Ein starrer Träger — Holz oder eine gepresste Platte. Er biegt sich nicht, feine Details bleiben also genau dort, wo der Künstler sie gesetzt hat, und nichts wird bei wechselndem Wetter locker. Schwerer als Leinwand bei gleichem Format und oft für kleinere, dichtere Arbeiten gewählt.
Papier
Historisch der zentrale Bildträger der Region — Handschriften, Miniaturen, Kalligrafie. Die Qualität leistet hier viel: schweres, säurefreies Papier vergilbt nicht und nimmt nasse Medien auf, ohne sich zu wellen. Werke auf Papier sind zugleich das Empfindlichste, was man besitzen kann, gegenüber Licht wie gegenüber Feuchtigkeit, und das, was eine gute Rahmung am meisten lohnt.
Wie man ein Angebot liest
Eine Zeile wie Öl auf Leinwand, 100 × 120 cm sagt mehr, als sie scheint:
- Öl auf Leinwand — erst die Farbe, dann der Bildträger, immer
- 100 × 120 cm — Höhe vor Breite, und ungerahmt. Rechnen Sie in jede Richtung einige Zentimeter hinzu, wenn Sie mit Passepartout rahmen möchten
Jedes Angebot nennt Medium und Bildträger. Was wir darüber hinaus von einem Künstler verlangen, bevor ein Werk online geht, steht in Unsere Kuratierungsstandards.
Was bei einem handgemachten Werk normal ist
Wenn Sie gedruckte Bilder gewohnt sind, kann ein Gemälde aus der Nähe beim ersten Mal überraschen. Das sind Merkmale, keine Mängel:
- Sichtbare Pinselschrift — Grate, Richtung, die Dicke der aufgeladenen Farbe
- Die Webstruktur der Leinwand, die in dünneren Partien durchkommt
- Ein unregelmäßiger Büttenrand bei handgeschöpftem Papier
- Eine leichte Wellung im Aquarell, wo das Papier Wasser aufgenommen hat — sie legt sich meist, sobald das Blatt aufgezogen und gerahmt ist
- Feines, stabiles Craquelé in einem älteren Ölgemälde — die Farbschicht härtet aus und arbeitet über Jahrzehnte mit ihrem Bildträger, ein Zeichen des Alters und kein Schaden
- Eine Farbe, die nicht ganz der auf Ihrem Bildschirm entspricht — kein Bildschirm gibt Pigment genau wieder
Abblätternde oder sich hebende Farbe, Risse, Wasserflecken und Schimmel sind etwas völlig anderes, und nichts davon sollte Sie je erreichen. Wie wir damit umgehen, wenn es doch geschieht, steht in Bestellung, Lieferung & Rücksendungen.
Mit Ihrem Werk leben
Licht
Halten Sie jedes Medium aus der direkten Sonne — davon gibt es keine Ausnahme. Werke auf Papier sind am gefährdetsten, Aquarell, Gouache und Pastell am meisten. UV-filterndes Glas ist den geringen Aufpreis beim Bilderrahmer wert.
Luftfeuchtigkeit
Gleichmäßig ist wichtiger als genau. Meiden Sie Bad und Küche, kalte Außenwände und die Wand direkt über Heizkörper oder Kamin. Es sind die schnellen Wechsel zwischen feucht und trocken, die eine Leinwand oder ein Blatt Papier belasten, weit mehr als jeder eingependelte Wert.
Rahmung
Jedes Werk kommt ungerahmt an, womit die Entscheidung dort bleibt, wo sie hingehört — bei Ihnen und dem Raum, in den es kommt.
Alles auf Papier sollte von einem Bilderrahmer aufgezogen und verglast werden, wobei das Passepartout das Glas von der Oberfläche fernhält. Öl und Acryl auf gespannter Leinwand hängen sehr gut ungerahmt, oder in einem Schattenfugenrahmen, der ringsum einen Schattenspalt lässt. Für Pastell und Kohle gehen Sie zu einem Fachbetrieb, und zwar bald.
Fragen zu einem Werk?
Wenn Sie wissen möchten, wie ein bestimmtes Werk gemacht ist, wie es sich in Ihrem Raum ausnimmt oder wie es nach der Ankunft am besten zu rahmen ist, fragen Sie uns. Uns ist weit lieber, Sie kaufen das richtige Werk als einfach ein Werk.